Was bringt uns der Euro?
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Der Euro - eine makroökonomische Diskussion über Sinn und Unsinn

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Kaum ein Thema wird regelmäßig so heiß diskutiert wie der Euro. In Deutschland hatte der Euro seit seiner Einführung in 2002 einen schweren Stand, weil mit ihm ein allgemeiner Preisanstieg verbunden wurde. Rechneten 2004 noch 74% der Menschen in Deutschland bei Beträgen über 100€ in DM um und drückten so ihre Neigung zur DM aus, wuchsen die Sympathiewerte für den Euro seither langsam, aber stetig, an. Laut einer Forsa-Umfrage stimmten 2013 69% der Befragten für den Euro und sehen in ihm eine stabile Währung. Insbesondere Auslandsreisen im Euroraum, die stärkere Wahrnehmung Europas als Wirtschaftsraum sowohl nach innen als auch nach außen sind Gründe für die steigende Akzeptanz für diese Währungsunion. Auf der anderen Seite stehen 27% der Menschen in Deutschland, die am Wert der DM festhalten wollen. Diese große Gruppe politisch zu aktivieren ist Ziel rechtspopulistischer Parteien und Parteistrategien. Auch wenn die Euro-Debatte es nicht mehr auf die tagespolitische Agenda schafft, so handelt es sich doch um einen Konflikt in unserer Gesellschaft, der insbesondere vor Wahlen immer wieder aufbrechen kann. Bei der letzten Bundestagswahl schaffte es die AfD u.a. mit diesem Thema viel Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen. 
Doch wer hat Recht? Ist es erstrebenswerter für Europa nationale Währungen zu haben? Würde eine Anerkennung von innereuropäischen Währungen im Inland nicht genügen? Nationale Währungen haben identitätsstiftende Wirkung und stehen symbolisch für das Selbstbestimmungsrecht von Völkern. Gibt es denn ein europäisches Volk, so dass eine gemeinsame Währung gerechtfertigt ist, oder wird das nicht vielmehr von oben konstruiert? Makroökonomen können zwar nicht die kulturellen Aspekte des Euro beurteilen, geben aber eine ökonomisches Urteil ab, ob der Euro seine Einführung verdient.
Die Einführung eines gemeinsamen europäischen Währungsraumes führte zu einem stärkeren Handel im EU-Binnenmarkt, weil die Transaktionskosten, d.h. das Umrechnen und Umtauschen unter den Währungen, entfällt. Ein größerer Handel führt wiederum zu mehr Wohlstand, denn sonst würde kein Handel stattfinden. Davon profitieren letztlich nicht nur die großen Konzerne, sondern vor allem kleinere und mittelständische Unternehmen, die für den globalen Handel nunmehr bessere Rahmenbedingungen haben als bisher. Durch die Einführung des Euro wurden auch die Preisunterschiede für Waren und Dienstleistungen im Euroraum reduziert, weil der Markt transparenter geworden ist. Dies gilt zumindest für Waren und Dienstleistungen, die beispielsweise online bestellt werden können oder wenn die Käufer bereit sind aus finanziellen Gründen z.B. eine Brille lieber in Polen als in Deutschland zu kaufen. Schließlich verringert sich durch die Größe des Euros das Risiko von schädlichen Währungsspekulationen. Die Senkung von Wechselkursrisiken führt zu einer besseren Planbarkeit von Investitionen, was wiederum zu mehr Wachstum und Wohlstand führt. Gegen diese Argumente des steigenden Wohlstands richten sich die Kritiker des Euro.
Um den Euro auf einem stabilen Kurs zu halten, müssen die Länder der Eurozone bestimmte Konvergenzkriterien einhalten. Dies gilt vor allem für die Staatsverschuldung. Die Kritiker halten das für europäisch undurchführbar und machen polemisch die europäische Idee für die sozialen Spannungen aufgrund von Einsparungen für einen ausgeglichenen Staatshaushalt verantwortlich. Diese Sparzwänge sind schließlich der Nährboden für Populismus und im schlimmsten Fall Vandalismus in Europa. Zweitens hat die EZB, die als Hüter der Geldmenge und Zinspolitik in Europa auf den Plan tritt, kein hinreichendes Instrument in der Hand, um zu hohes oder geringes Wachstum in einzelnen Ländern individuell zu begegnen. Durch den einheitlichen Euro lässt sich die Geldmenge nur noch in der Eurozone insgesamt verknappen oder vergrößern. Auch der Leitzinssatz kann nur noch für alle Länder in gleichem Maße angehoben und gesenkt werden. Folglich gibt es bei einer einheitlichen Geldpolitik gesteuert durch die EZB immer Verlierer und Gewinner in der Eurozone. Hinter verschlossen Türen verhandeln Diplomaten und Politiker um den politischen Ausgleich, was Misstrauen produziert und rechtspopulistische Helden, wie Wilders in Belgien, auf den Plan ruft. Griechenland ist ein weiteres Beispiel für eine misslungene Euro-Politik. Überbewertet trat Griechenland der Eurozone bei. Dadurch war das Preisniveau in Griechenland zu hoch, weshalb das Land kaum exportieren konnte. Deshalb erzielte Griechenland keine Ersparnisse und es stiegen Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung an. In der EU kann bisher nur über das Instrument der inneren Abwertung die Überbewertung Griechenlands auf Normalniveau gebracht werden. Das bedeutet letztlich die Sparzwänge, die Europa an Griechenland in den letzten Jahren gesehen hat: restriktive Fiskalpolitik und Hochzinspolitik. Schmerzhaft sagen dazu die Euro-Befürworter, vermeidbar finden das die Kritiker.
Makroökonomische Modelle helfen diese Argumente zu verstehen. Eine Wertung möchte ich an dieser Stelle nicht vornehmen. Jedoch zeigen die Argumente der Kritiker und Befürworter auf, dass die Einführung eines gemeinsamen Währungsraumes volkswirtschaftlichen Nutzen nur dann stiften kann, wenn kluge Regeln zum Beitritt und Austritt aus der Eurozone geschaffen werden. Darüber hinaus gibt es ein Bedarf an neuen Steuerungsinstrumenten im Interesse einer stabilen Wirtschafts- und Währungsunion, welche die alten Instrumente, die aus der  Geldmengentheorie abgeleitet sind, qualitativ ersetzen können.


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