Immer wieder wird bei der Skoliosetherapie über die Zweckmäßigkeit von Röntgenaufnahmen diskutiert. Sicher sind bei der Behandlung von idiopathischer Skoliose zu bestimmten Zeitpunkten immer wieder Röntgenaufnahmen unumgänglich, um die Situation klar zu erfassen. Zur Vermessung der Wirbelsäule stehen allerdings auch andere technische Möglichkeiten zur Verfügung. Auf diese Weise wird der Patient weniger durch Röntgenstrahlen belastet.
Woran erkennt man eine Skoliose? Woran erkennt man eine idiopathische Skoliose? Wenn die Wirbelsäule seitlich von der Längsachse abweicht, spricht man von Skoliose. Die Wirbel sind außerdem zusätzlich um die Längsachse verdreht. Die Erkrankung wird durch Verformungen der Wirbelkörper begleitet. Wenn die Ursache der Skoliose nicht bekannt ist, spricht man von idiopathischer Skoliose.
Welche Alternative zum Röntgen gibt es? Verschiedene topografische Verfahren, die die anatomische Oberflächenstruktur (Morphologie) in zahlreiche unterschiedliche Parameter umrechnen, werden zur Diagnose der Skoliose eingesetzt. Die so gewonnenen Parameter erlauben Rückschlüsse auf den Grad der Schädigung der Wirbelsäule.
Anhand der ermittelten Daten lassen sich beispielsweise der sogenannte Kyphosewinkel beim Krankheitsbild Morbus Scheuermann ableiten. Den Skoliosewinkel nach Cobb kann man ebenfalls auf diese Weise ableiten. Dieser wurde nach Dr. John Robert Cobb, einem US-amerikanischen Chirurgen und Orthopäden, benannt. Cobb war in den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts Leiter einer Skolioseklinik in New York.
Diese topografischen Verfahren ermöglichen es geschulten Personen, auch Beinverkürzungen, den Grad eines Beckenschiefstands sowie eine Beckenverwringung zu ermitteln und grafisch darzustellen. Immer wieder sieht man dabei, dass die errechneten Ergebnisse nur geringfügig von den röntgenologischen Werten abweichen.
Erfahrene Ärzte, Physiotherapeuten und Orthopädietechniker können also anhand dieser Verfahren ungefähr den selben Cobb-Winkel ermitteln, wie es durch ein Röntgenbild möglich ist. Für Patienten mit Skoliose wäre dies ein deutlicher Vorteil, da sie seltener geröntgt werden müssten, als diese vielleicht denken.
Strahlungsfreie Methode zur Ermittlung des Cobb-Winkels
Zur Ermittlung von Krümmungswerten der Wirbelsäule, gibt es neben den hochtechnischen Geräten noch weitere wirksame Methoden. Eines der wichtigsten klinischen Messgeräte zur Ermittlung des Cobb-Winkels ist z.B. das sogenannte Skoliometer nach Bunnell. In den 1980-er Jahren des vorigen Jahrhunderts hat Dr. William P. Bunell dieses handliche Gerät erfunden.
Man kann sich das Skoliometer so ähnlich wie eine Wasserwaage vorstellen. Man legt es einfach auf die Erhöhungen und Absenkungen der betroffenen Wirbelsäulenabschnitte, die sich durch die Krümmungen ergeben. Mithilfe einer von Bunnell entwickelte Skala kann man anhand des ermittelten Wertes Rückschlüsse auf den Cobb-Winkel ziehen. Die Anwendung eines Skoliometers ist viel einfacher als die Nutzung hochtechnischer Geräte:
Der Patient beugt sich einfach nach vorne. Dabei müssen die Beine ausgestreckt bleiben. Die Erhebungen und Absenkungen werden so am besten sichtbar, und ein Arzt oder Therapeut mit Erfahrung kann daraus eine Diagnose erstellen. Diese spezielle Haltung ist auch als Vorbeugetest nach Adams bekannt. Der englische Mediziner William Adams lebte im 19. Jahrhundert.
Aufgrund seiner Aussagekraft findet der Vorbeugetest nach Adams (Adams-Test) bei jeder Untersuchung eines Skoliosepatienten statt. Um zu starke Messfehler zu vermeiden, sollten die Messungen mit dem Skoliometer stets vom selben Behandler durchgeführt werden. Messtoleranzen von durchschnittlich 5 Grad sind übrigens auch bei Röntgenaufnahmen einzukalkulieren.
Man kann also sagen, dass topografische Systeme ebenso wie klinische Messgeräte den Verlauf einer Behandlung gut dokumentieren können. Die Belastung durch Röntgenstrahlen kann also durch den sinnvollen Einsatz dieser Techniken erheblich reduziert werden.
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