Der Kochstil in Russland und den anderen Ländern Osteuropas unterscheidet sich stark von den kulinarischen Traditionen in Westeuropa. So sind zum Beispiel Saucen, wie die Franzosen sie zubereiten, in den meisten Gegenden unbekannt. Kaum jemand bietet eine Auswahl an Käse zum Abschluss eines Menüs an. Salat als leichte Beilage ist eher die Ausnahme. Natürlich gibt es Käse und Salate, sie werden aber anders serviert: Die kalte Küche ist populär, und am Beginn einer Mahlzeit wird eine kalte Platte mit allerlei Köstlichkeiten gereicht. Dazu gehört natürlich Kaviar. Ein anderer Klassiker der kalten Platte in Russland ist gesalzener eingelegter Hering.
Das Mittagessen ist noch immer die wichtigste Mahlzeit für viele Familien. Zumindest am Wochenende versuchen sie die Tradition aufrechtzuerhalten. So setzen sie sich mittags zu einem Mahl zusammen, das oft aus Suppe, Hauptgericht und einem Dessert besteht, typisch für die russische Küche.
Rezepte für besondere Gelegenheiten umfassen Eintöpfe mit Rindfleisch, Rinderbraten sowie Hühner- und Gänsebraten. Doch in der Alltagsküche spielt Schweinefleisch eine große Rolle, und besonders beliebt sind dünne Schnitzel, Gerichte mit Hackfleisch oder auch Spieße mit Schweinefleischwürfeln. Zu Schwein isst man gerne Gurkensalat oder Gewürzgurken.
Brot gehört zu den besten Grundnahrungsmitteln, und die Auswahl ist großartig. Besonders die vielen verschiedenen Sorten Roggenbrot passen bestens zu den deftigen Suppen und Eintöpfen. Hefebrote und –kuchen brauchen viel Zeit, umsichtige Behandlung und einen gleichmäßig heißen Holzofen zum Backen. Wenn Russen Kuchen für Festtage backen, planen sie viele Stunden für die Vorbereitung ein.
Da man an religiöse Feste und Fastenzeiten ebenso gebunden war wie an die Ernten und den Wechsel der Jahreszeiten, entwickelte sich eine klare Linie zwischen der Alltagsküche und der Festtagsküche. Gute Beispiele sind das dunkle Roggenbrot für den Alltag und die aufwändigen Kuchen und Torten für besondere Anlässe.
Abgesehen vom Getreide zum Brotbacken gibt es noch zahlreiche Sorten für andere Zwecke. Hierzu gehören Hirse und Gerste, und man rechnet auch Buchweizen dazu, obwohl er eigentlich kein Getreide ist, sondern zu den Rhabarbergewächsen gehört. Er wird aber ähnlich wie Getreide verwendet. Hirse und Buchweizen sind wichtige Bestandteile in Suppen und Nachspeisen, und sie bilden einen großen Teil der fleischlosen Kost während der Fastenzeit.
Fisch war früher in den Meeren, Flüssen und Seen Osteuropas in so großer Zahl vorhanden, dass er zu einem Grundnahrungsmittel wurde, das glücklicherweise auch während der Fastenzeit erlaubt war. In den Flüssen wimmelte es von Schleie, Hecht und Zander. Die Meere sorgten für Stör, Kabeljau und Wels. Leider hat die Umweltverschmutzung in den Gewässern Osteuropas großen Schaden angerichtet; außerdem brachte der kommerzielle Fischfang in den Meeren so viel Fisch (oft bereits gefroren) in den Handel, dass die vor Ort gefangenen Flussfische an Bedeutung verloren. Dadurch wurden Rezepte verändert und angeglichen. Ein einziger Fisch hat seine Bedeutung über die Jahre nicht verloren: der bescheidene Hering. Noch immer wird er nach uralten Rezepten mit Apfel und Pfeffer in Öl mariniert oder in Essig mit Salz, Piment und Lorbeerblättern eingelegt.
An Fleisch ist ein Klassiker in Russland das Spanferkel, das zu besonderer Gelegenheit gegessen wird. Rind wird für Schmorgerichte und Eintöpfe verwendet.
Viele Gerichte aus Osteuropa haben eine eher säuerliche als pikante Geschmacksnote. Sauerkraut ist eines der besten und bekanntesten Beispiele dafür. Weißkohl wird eingelegt und fermentiert. Durch diesen Vorgang bekommt der Kohl seine unverwechselbare Konsistenz und den einzigartigen Geschmack. Sauerkraut ist in allen Gegenden Osteuropas verbreitet.
Dill gehört zu den typischen Kräutern der russischen Küche, und er eignet sich zum Kochen, für frische Salate und für eingelegtes Gemüse. Dillsamen würzen Eintöpfe und Gerichte mit Sauerkraut. Die vielseitige Petersilie gehört zu den Lieblingskräutern und wird gern für pikante und säuerliche Gerichte verwendet.
Was die Getränke anbelangt, sind die Russen große Teetrinker. Der Tee wird in einem kleinen Topf über dem Samowar gekocht und dann mit heißem Wasser verdünnt. Sowohl Russland als auch Polen beanspruchen für sich, Wodka erfunden zu haben. Hergestellt wird er in beiden Ländern seit mindestens dem 15. Jahrhundert.